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Inklusion im Handwerk - Vielfalt als Bereicherung und Chance

In Deutschland leben rund 17 Millionen Menschen mit einer (drohenden) Behinderung und etwa 7,5 Millionen mit einer Schwerbehinderung. Das entspricht rund 9,3 Prozent der Bevölkerung. Die meisten Behinderungen entstehen durch Krankheiten. Nur 4 Prozent sind angeboren und die wenigsten entstehen durch Unfälle oder Berufskrankheiten.

 

„Menschen mit Behinderung sind nach § 2 Absatz 1 SGB IX Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können. [...]“

 

 

Behinderte Personen möchten selbstbestimmt leben und auch am Arbeitsleben teilhaben. 

 

Jeder Mensch hat das Recht, ein anerkanntes und vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu sein; dieses Recht auf Inklusion ist in der UN-Behindertenrechtskonvention festgeschrieben.

 

Inklusion ist ein Menschenrecht und sollte daher grundsätzlich als Selbstverständlichkeit in unserer Zivilisation angesehen werden.

 

Inklusion beschreibt ein gesellschaftliches Konzept, in dem jeder Mensch - unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Religionszugehörigkeit, Bildung oder von eventuellen Behinderungen - ein gleichberechtigtes, selbstbestimmtes und akzeptiertes Mitglied der Gesellschaft ist. 

 

Gleichzeitig berücksichtigt der Begriff die Heterogenität der Gemeinschaft und erlaubt damit die Individualität eines jeden Einzelnen.

 

Für behinderte Menschen ist es noch immer schwer einen Ausbildungsplatz zu erhalten oder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Die Arbeitslosenquote ist im Vergleich zur normalen Quote rund doppelt so hoch.

 

Gerade im Handwerk gibt es viele Möglichkeiten für die Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen und in vielen Handwerksbetrieben wird das bereits erfolgreich gelebt. 

 

Vor allem in kleinen, familiären Unternehmen ist es selbstverständlich, dass Menschen mit Behinderungen dort arbeiten, wie jeder andere auch.

 

Beispiele für die gelungene Zusammenarbeit mit Arbeitnehmern die ein Handicap haben gibt es viele und in den unterschiedlichsten Gewerken - der gehörlose Bäckergeselle, der Malerazubi mit Lernschwäche oder die sehbehinderte Näherin.

 

Inklusion steht auch für Vielfalt. Gerade die Verschiedenheit bereichert die Zusammenarbeit von Menschen und von diesem Miteinander profitieren Unternehmen.

 

Menschen mit Handicap bringen häufig ein hohes Maß an Motivation und Loyalität mit. Arbeitslose Menschen mit einer Behinderung sind im Schnitt höher qualifiziert als Menschen ohne Behinderung.

 

Nicht jede Form der Behinderung hat Einfluss auf die Arbeitsleistung sondern häufig schränkt sie nur in Teilbereichen ein. Viele Einschränkungen können mit Hilfsmitteln problemlos ausgeglichen werden. 

 

Der Grad einer Behinderung wird unabhängig vom ausgeübten Beruf festgestellt. Er sagt demnach nichts darüber aus, wie leistungsfähig der jeweilige Mensch mit Behinderung in Bezug auf einen konkreten Arbeitsplatz ist. 


Auch im Hinblick auf den Fachkräftemangel und den fehlenden Nachwuchs in der Branche ist es wichtig, dass Unternehmen sich der Thematik annehmen und Berührungsängste abgebaut werden. 

 

Häufig ist es die Unsicherheit und die fehlende Kenntnis hinsichtlich der gesetzlichen Vorgaben und Regelungen, welche mit der Einstellung eines behinderten Menschen verbunden sind, die Unternehmen zögern lassen, Menschen mit Handicap einzustellen.

 

Im Jahr 2016 wurde das Bundesteilhabegesetz verabschiedet, welches das Sozial- und Rehabilitationsrecht reformiert und dessen vorletzte Reformstufe bis zum 1.1.2020 umgesetzt werden muss. Die Kernpunkte dieser Änderung beziehen sich hauptsächlich auf die Leistungen zur Sozialen Teilhabe.

 

Dieses Gesetz soll die Selbstbestimmtheit und die Selbständigkeit von behinderten Menschen in allen Lebensbereichen unterstützen. 

 

Grundsätzlich gibt es besondere Vorschriften, die im Sozialgesetzbuch verankert sind und unter anderem den Kündigungsschutz, Sonderurlaub und die Gleichstellung behinderter Arbeitnehmer- und Arbeitnehmerinnen regeln. 

 

Informationen dazu und viel Wissenswertes rund um das Thema können Sie auf der folgenden Seite finden:

https://www.gemeinsam-einfach-machen.de/GEM/DE/AS/Home/as_node.html

 

Wer einen behinderten Menschen im Handwerk ausbilden oder einstellen möchte, erhält zusätzliche finanzielle Unterstützung. 

 

Zum Beispiel:

  • Zuschuss für Probebeschäftigung (Kostenübernahme für bis zu 3 Monate)
  • Eingliederungszuschuss - Zuschuss zum Arbeitsentgelt (Höhe und Dauer richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls)
  • Finanzielle Förderung zur Schaffung neuer Arbeitsplätze (Höhe und Dauer richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls)
  • Zuschüsse zur behinderungsgerechten Einrichtung von Arbeitsplätzen 
  • Zuschüsse für Arbeitshilfen im Betrieb 
  • Sonderförderprogramme des Landes und des Bundes 

Quelle: https://www.hwk-potsdam.de/artikel/inklusion-im-handwerk-9,0,3764.html

 

gibt es in den Handwerksorganisationen zahlreiche Inklusionsberater. Diese begleiten die Betriebe bei der Ausbildung der Beschäftigten und unterstützen sie bei der Bewerbersuche und helfen bei der Beantragung von Fördermitteln.

 

Inklusion ist ein Prozess, der in unserer Gesellschaft neben einer Veränderung von Einstellungen und Sichtweisen auch veränderte Strukturen und angepasste Rahmenbedingungen erfordert.

 

 

Um diesen Prozess erfolgreich im Sinne der Begrifflichkeit umzusetzen, ist es die Aufgabe eines jeden Mitglieds unserer Gesellschaft diesen aktiv und zielorientiert zu begleiten.

 

Sehr gerne möchten wir mit Ihnen über dieses oder andere Themen rund um das Handwerk diskutieren und laden Sie deshalb auf unser Facebook Seite ein: Sehr gerne möchten wir mit Ihnen über dieses oder andere Themen rund um das Handwerk diskutieren und laden Sie deshalb auf unsere Facebook Seite ein: https://www.facebook.com/Berliner.Innung/

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