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Die Rückkehr zur Meisterpflicht wird erwartet - Einigung in der Großen Koalition

 

Die Meisterpflicht unterliegt seit Jahrhunderten immer wieder einem Wandel. Sie wurde mehrfach eingeführt und dann wieder aufgehoben. Im Jahr 1953 wurde mit der Handwerksverordnung gesetzlich festgelegt, dass nur ein Meisterbrief dazu befähigt, sich als Handwerker in Deutschland selbstständig zu machen.

 

Seit den Sechziger Jahren gab es nach und nach Lockerungen in dieser Gesetzgebung und 2004 wurde im Zuge der bis heute umstrittenen „Agenda 2010“ die Abschaffung der Meisterpflicht in vielen Gewerken beschlossen.

 

Wir berichteten u.a. darüber in unserem Blogbeitrag vom 18. Februar 2019.

https://www.berlinerinnung.de/2019/02/18/wiedereinf%C3%BChrung-der-meisterpflicht/

 

Seit Jahren wird der Ruf nach der Rückkehr zur Meisterpflicht immer lauter.

 

Im September 2018 hatte eine Initiative Bayerns einen Antrag auf Wiedereinführung der Meisterpflicht eingereicht, der im Februar des darauffolgenden Jahres vom Bundesrat angenommen wurde.

 

Jetzt hat sich die Große Koalition geeinigt:

Noch in diesem Jahr soll ein Gesetz zur Wiedereinführung verabschiedet werden, das ab 2020 in Kraft treten soll. 

 

Kritiker und Befürworter dieser Gesetzesänderung haben sich in den letzten Wochen häufig in den Medien zu der Thematik geäußert.

 

Wir möchten nun eine kurze Zusammenfassung der Berichterstattungen vornehmen und Ihnen einige Informationen zusammenstellen.

 

Gründe für die Novellierung sind die Stärkung des Handwerks und die Sicherung hoher Qualitätsstandards in den heute zulassungsfreien Gewerken; sowohl in der Ausübung der Arbeiten als auch in der Aus- und Weiterbildung.

 

Das Ziel der Wiedereinführung ist es:

„die Leistungsfähigkeit zu verbessern und nachhaltige und wettbewerbsfähige betriebliche Strukturen im Handwerk zu stärken“.

 

Die wichtigsten Kriterien, die für eine Rückkehr zur Meisterpflicht sprechen, sind im sogenannten „Eckpunktepapier zur Handwerksordnung“ enthalten, das die Große Koalition entworfen hat.

 

In diesem Papier heißt es:

„Der Meisterbrief im Handwerk ist die beste Garantie für Qualitätsarbeit, Verbraucherschutz, Leistungsfähigkeit, Innovationskraft und hochwertige berufliche Aus- und Weiterbildung.“

 

Weiterhin versprechen sich die Befürworter der Änderung eine nachhaltige Fachkräftesicherung. Die Hoffnung, durch die Abschaffung der Meisterpflicht ausreichend Fachkräfte und Nachwuchs im Handwerk zu bekommen hatte sich nicht erfüllt. 

 

Welche Veränderungen bringt die Novellierung mit sich?

 

In den folgenden zwölf Gewerken soll es laut Vorschlag ab 2020 wieder eine Meisterpflicht geben:

  • Fliesen-, Platten- und Mosaikleger
  • Betonstein- und Terrazzohersteller
  • Estrichleger
  • Behälter- und Apperatebauer
  • Parkettleger
  • Rollladen- und Sonnenschutztechniker
  • Drechsler und Holzspielzeugmacher
  • Böttcher
  • Glasveredler
  • Schilder- und Lichtreklamehersteller
  • Raumausstatter
  • Orgel- und Harmoniumbauer

 

Entscheidend für die Einführung in den Gewerken ist nach Angaben des Unionsfraktionsvizen Carsten Linnemann und des SPD-Fraktionsvizen Sören Bartol, ob es sich um „gefahrgeneigte Handwerke handelt. Handwerke, deren unsachgemäße Ausübung eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen und Gewerke, deren Handwerk als immaterielles Kulturgut anzusehen sind, werden daher von der Novellierung betroffen sein.

 

Peter Wollseifer, Handwerkspräsident, kommentierte die Entscheidung mit folgenden Worten:

 

„Die geplanten Korrekturen ermöglichen wieder mehr Ausbildung, mehr Qualifikation, mehr Qualität, mehr Gewährleistungs- und Verbraucherschutz.“

 

Die veränderten Regelungen gelten für Betriebe, die sich neu gründen.

 

Bestehende Betriebe, die derzeit nicht der Meisterpflicht unterliegen, sollen einen Bestandsschutz erhalten. Ihnen ist es möglich, ihr Handwerk auch weiterhin selbstständig auszuüben.

 

Nach fünf Jahren soll die Neuregelung einer erneuten Überprüfung und Bewertung unterzogen werden.

 

Allerdings kann man neben den Befürwortern auch Kritiker vernehmen, die sich mit ihren Argumenten weiterhin gegen die Wiedereinführung der Meisterpflicht stellen.

 

Kleinere Parteien, die Monopolkommision und der Berufsverband der unabhängigen Handwerker  sehen die geplanten Änderungen kritisch.

 

Eine Meisterpflicht stelle zwar sicher, dass Meister formal eine höhere Qualifikation nachweisen können, aber die praktische Arbeit in den einzelnen Betrieben würde zum Großteil nicht vom Meister selbst ausgeführt werden. Weiterhin gäbe ein Meisterbrief nicht die Garantie, dass die fachliche Kompetenz z.B. durch Weiterbildungen immer an die aktuellen Standards angepasst sei.

 

Außerdem warnen die Kritiker vor einem Rückgang der Betriebsgründungen in den derzeit zulassungsfreien Gewerken. Das würde nach ihrer Einschätzung dem Fachkräftemangel nicht entgegenwirken, sondern man würde eher das Gegenteil erreichen.

 

Sie raten daher eher zur Freiwilligkeit als zum „Meisterzwang“. 

 

Die höhere Anerkennung der handwerklichen Ausbildungen als Zulassung für Studiengänge an Hoch- und Fachhochschulen ermögliche auch ohne Meisterpflicht die Stärkung der fachlichen Kompetenz und damit der Qualitätssicherung in der Branche.

 

Weiterhin plädieren sie dafür, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und den Erwerb von Ausbildungsberechtigungen zu fördern.

 

Es bleibt wie bei jeder Novellierung abzuwarten, welche Effekte die Wiedereinführung der Meisterpflicht der Branche bringt. 

 

Und mit hoher Wahrscheinlichkeit wird auch dieses neue Gesetz nicht die letzte Umgestaltung in der Handwerksverordnung sein.

 

Sehr gerne möchten wir mit Ihnen über dieses oder andere Themen rund um das Handwerk diskutieren und laden Sie deshalb auf unser Facebook Seite ein: Sehr gerne möchten wir mit Ihnen über dieses oder andere Themen rund um das Handwerk diskutieren und laden Sie deshalb auf unsere Facebook Seite ein: https://www.facebook.com/Berliner.Innung/

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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