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Europa und das Handwerk

Die Europawahl 2019 wird als sogenannte „Schicksalswahl“ in die Geschichte Europas eingehen. 

 

Einiges steht auf dem Spiel. Das Erstarken der radikalen Rechten ist nicht zu übersehen.

Nationalisten und Populisten üben Druck auf die politische Mitte aus. 

 

Vor fast siebzig Jahren, Anfang der 1950er Jahre, erholt sich das durch den Zweiten Weltkrieg zerstörte und traumatisierte Europa langsam von den Schrecken des Krieges.

 

Der zweite Weltkrieg hat Millionen Menschen das Leben gekostet und Europa in den Abgrund gestürzt.

 

Viele Europäer sind sich nach diesem schrecklichen Krieg einig: 

Nie wieder darf sich dieses Morden und diese Zerstörung wiederholen. 

 

Die Pioniere der Europäischen Union kommen aus den unterschiedlichste Gesellschaftsschichten, haben völlig verschiedene Hintergründe und sie vereint dieselbe Idee: 

 

Die Vision von einem friedlichen, geeinten und wirtschaftlich erfolgreichen Europa.

 

Als die sechs Gründerstaaten Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande am 18. April 1951 mit der Unterzeichnung des Vertrages zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, den Grundstein für die Entstehung der heutigen EU legen, ist nicht absehbar, dass es 68 Jahre später zu einer „Richtungswahl“ kommen wird.

 

Europa befindet sich derzeit im Wandel und auch das Umfeld, in dem die EU agiert, hat sich verändert. Brüssel steht ohne Zweifel vor großen politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen.

 

Der 26. Mai 2019 war der Tag, an dem die Bürgerinnen und Bürger in den 28 Ländern der Europäischen Union zur Wahl aufgerufen wurden. 

 

Am Tag der Wahl zeigt sich nach Schließung der Wahllokale, dass sich mehr Wahlberechtigte ihrer Verantwortung bewusst sind als 2014 und sie durch die Abgabe Ihrer Stimme die Zukunft Europas aktiv mitgestalten möchten. 

 

Unter den EU-Bürgern, die 2019 den Weg zu Wahlurne gingen, sind auch viele Handwerker. Die Zukunft Europas ist auch entscheidend für die Zukunft des Handwerks in der Europäischen Union.

 

Das Handwerk hat in Brüssel noch immer eine zu kleine Lobby - dort orientiert man sich eher an den Interessen großer Industriekonzerne.

 

Doch viele Gesetze, die in Deutschland umgesetzt werden, kommen aus Brüssel und betreffen damit auch alle deutschen Handwerksbetriebe.

 

Häufig sind die meist kleinen und mittleren Unternehmen mit der Umsetzung und Integration dieser Verordnungen in ihren betrieblichen Alltag überfordert. In jüngster Vergangenheit stellt zum Beispiel die Einführung der Datenschutzgrundverordnung viele Betriebe vor sehr große Herausforderungen.

 

Um der Branche in Brüssel mehr Gehör zu verschaffen, ist es wichtig, dass sie dort eine richtungsweisende Interessenvertretung hat.

 

Wir leben in einer Welt, die immer stärker globalisiert ist und in der es immer mehr Wettbewerb gibt.

 

Das deutsche Handwerk profitiert dahingehend vom Europäischen Binnenmarkt:

Keine Grenze, keine Zölle, eine gemeinsame Währung.

Selbstständige können innerhalb der EU eine gewerbliche Tätigkeit befristet ausüben und auch die Mitarbeiter der Unternehmen können zur Verrichtung von Arbeiten in ein anderes EU-Land entsendet werden.

 

Europäische Standards ermöglichen die Vergleichbarkeit von Leistungen und Verträgen.

Auch der länderübergreifende Austausch und Wissenstransfer und die Arbeit an gemeinsamen Projekten erbringen einen nicht zu unterschätzenden Mehrwert für die Branche.

 

Unter dem Motto: „Wir wollen Europa besser machen“ ist das Deutsch-Französische Handwerkskammertreffen 2019 als Plattform für den Austausch zwischen den beiden EU-Länden genutzt worden.

 

Das Interview mit dem Präsidenten vom Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) 

Hans Peter Wollseifer ist hier nachzulesen:

https://www.zdh.de/presse/interviews/wir-wollen-europa-besser-machen/

 

Auf der Website des ZDH ist auch seine Positionierung zu Europa eindeutig kommuniziert.

 

Mit dem Slogan: JA zu Europa! bekennt sich der Verband eindeutig zu Europa. 

 

In diesem Sinne sind auch die dort nachzulesenden Forderungen und Erwartungen des Handwerks an das 9. Europäische Parlament, das in Deutschland am 26. Mai 2019 gewählt wird, formuliert.

 

„ [...] Die Forderungen des Handwerks gliedern sich in sieben Themenbereiche:

 

  1. Die Zukunft der Europäischen Union 
  2. Bessere Rechtsetzung - Ein neuer Ansatz für die EU-Gesetzgebung
  3. Die Wettbewerbsfähigkeit von KMU in Europa 
  4. Ein europäischer Binnenmarkt für Unternehmen
  5. Fachkräftesicherung und berufliche Bildung
  6. Praxisgerechte Klima- und Umweltpolitik 
  7. Regionale Wirtschaft [...]“

 

Mehr zu diesem Thema finden Sie hier:

https://www.zdh.de/fachbereiche/europapolitik/europawahl-2019/

 

Der Ausgang der Europawahl und die damit einhergehende zukünftige Ausrichtung der Europäischen Union sind maßgeblich und richtungsweisend für die Zukunft aller Mitgliedstaaten. 

 

Die ersten Hochrechnungen für Deutschland signalisieren eine Verschiebung für die Zusammensetzung des EU-Parlaments. 

 

Für die Parteien der großen Koalition in Deutschland zeichnet sich ein historisch schlechtes Ergebnis ab. Auch die SPD muss herbe Verluste hinnehmen, ebenfalls verlor Die Linke an Stimmen.

 

Die Grünen können ihr Ergebnis gegenüber 2014 fast verdoppeln und sind damit die zweitstärkste Kraft geworden.

 

AfD, FDP und verzeichnen ein Zugewinn an Wählerstimmen.

 

Das endgültige Ergebnis der Europawahl 2019 wird nicht vor dem 27. Mai 2019 erwartet. Dann steht fest, wie die laut EU-Kommission „ größte grenzüberschreitende Wahl auf dem Planeten“ ausgegangen ist und wer ins neue Europaparlament einzieht.

 

Inwieweit den Forderungen und Erwartungen des Handwerks in Brüssel zukünftig entsprochen wird, muss abgewartet werden.

 

Sehr gerne möchten wir mit Ihnen über dieses oder andere Themen rund um das Handwerk diskutieren und laden Sie deshalb auf unser Facebook Seite ein: Sehr gerne möchten wir mit Ihnen über dieses oder andere Themen rund um das Handwerk diskutieren und laden Sie deshalb auf unsere Facebook Seite ein: https://www.facebook.com/Berliner.Innung/

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