Mögliche Auswirkungen des Brexit auf das deutsche Handwerk

Am 23.6.2016 stimmten rund 52% der Wähler bei einem Referendum in Großbritannien für den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union. Seit dem steht der „ British Exit oder auch British Exit“ nahezu täglich im Fokus sämtlicher Medien und bestimmt die Schlagzeilen.

 

Heute, am Tag nach der Brexit-Niederlage Theresa Mays im britischen Parlament, werden die Stimmen immer lauter, die einen harten Austritt der Briten aus der EU für unabwendbar halten. Die britische Premierministerin konnte das Austrittsabkommen nicht durchsetzen. 

 

Die Hoffnungen auf eine Wiederauflage des Deals sind vergebens, Angela Merkel erklärte das klar und deutlich. Sowohl die Bundesregierung als auch ihre europäischen Partner scheinen nicht bereit, den Briten weiter entgegenzukommen und lehnen Neuverhandlungen ab.

 

Im Umkehrschluss bedeutet das: Entweder, es kommt noch zu einer Verlängerung der Frist für den Brexit über den 29. März hinaus, oder Großbritannien tritt ohne ein Abkommen aus der Europäischen Union aus.

 

Der „ harte Brexit“ wäre die denkbar schlechteste aller Möglichkeiten. In diesem Fall erlischt 29.3.2019 um Mitternacht schlagartig die Mitgliedschaft Großbritanniens in der EU.

 

Ohne eine Übergangsfrist fallen die Handelsbeziehungen automatisch auf die Standards der Welthandelsorganisation zurück. Ein ungeordneter Austritt würde ein sofortiges Ende Londons Mitgliedschaft im EU-Binnenmarkt und der Zollunion bedeuten.

 

Die Bank of England rechnet in einem solchen Fall mit einem Absturz des britischen Pfundes. Die Banker gehen von einem Wertverlust in Höhe von 25 Prozent aus.

 

Das wird sich auch auf die deutschen Unternehmen und deren Export auswirken.

 

Der Austritt könnte auch deutliche Nachteile für die Handwerksbetriebe haben, denn für viele ist Großbritannien ein attraktiver Markt. 

 

Seit dem Ende der Immobilienkrise auf der Insel stieg z.B. der Bedarf an Renovierungs- und Sanierungsarbeiten deutlich an. Die Qualität deutscher Handwerksleistungen, gerade der Bau- und Ausbaugewerke sowie der Installationen, wird auch von den Briten sehr geschätzt. Das es auf der Insel wenige Betriebe gibt, die in der Lage sind, die von deutschen Firmen angebotenen Dienstleistungen zu erbringen, macht den britischen Markt zusätzlich interessant. 

 

Bislang war es unproblematisch für deutsche Betriebe Aufträge in Großbritannien anzunehmen und auszuführen. Bei Aufträgen von Privatleuten mussten Handwerk aus der EU z.B. keine Nachweise über Qualifikationen erbringen.

 

Der aktuell unbürokratische und schnelle Warenaustausch mit diesem Handelspartner ist für viele ein wesentlicher Vorteil. Bisher wurde dieser nicht durch Zölle oder zusätzliche Bürokratie erschwert. 

 

Das kann zukünftig anders aussehen.

 

Auf die Unternehmen können bisher nicht absehbare Kosten zu kommen. 

Aufwendungen für Zölle werden erwartet. Wartezeiten an den Grenzen durch

Kontrollen und den eingeschränkten Reiseverkehr werden ebenfalls zulasten der der Bücher sein und der Wirtschaftlichkeit der Geschäfte mit Großbritannien sein. 

 

Sollte es zu einem harten Brexit kommen, müssen Betriebe zukünftig - quasi über Nacht - Zollerklärungen und Arbeitsgenehmigungen für ihre Mitarbeiter ausfüllen.

 

Die Zunahme an Bürokratie und Formalitäten könne es vor allem kleineren Unternehmen erschweren, die bisher gar nicht oder wenig mit solchen Verfahren zu tun hatten, sich an die neuen Bedingungen anzupassen.

 

Deren Mitarbeiter müssen sich gegebenenfalls zusätzlich qualifizieren, um den Anforderungen die die Neuregelungen an sie stellen gerecht zu werden.

 

Grundsätzlich sind die Folgen des Brexit für das Handwerk schwer absehbar, da es bisher in der Geschichte noch kein solches Szenario gab.

 

Umso wichtiger ist es, dass sich Betriebe eine Strategie für den Austritt Großbritanniens zurechtzulegen.

 

Die Deutsche Handwerkszeitung empfiehlt jedem Unternehmer, sich anhand der durch die IHK online zur Verfügung gestellten Brexit-Checkliste auf den Austritt vorzubereiten.

https://www.ihk.de/brexitcheck

 

Wir möchten mit Ihnen über dieses und auch andere Themen, Rund ums Handwerk, diskutieren und laden Sie dazu herzlich auf unsere Facebook Seite ein: 

 

https://www.facebook.com/Berliner.Innung/

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