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WARUM UNS HEUTE VIELE MEISTER FEHLEN

Zum 1. Januar 2004 schaffte die rot- grüne Bundesregierung für 53 der 94 Handwerksberufe die Meisterpflicht ab. Ziel der Novelle war es unter anderem die Arbeit im Handwerk attraktiver zu gestalten und damit der damaligen Rekordarbeitslosigkeit entgegenzuwirken.

 

In Berufen wie beispielsweise Fliesenleger, Parkettleger oder Rollladentechniker kann sich seitdem jeder selbstständig machen, ohne dafür Qualifikationsnachweise erbringen zu müssen.

 

Zweifel in der Politik an dieser Entscheidung und offene Kritik aus den Reihen des Deutschen Handwerks, lassen den Schluss zu, dass die Hoffnung auf mehr Fachkräfte in den Reihen des Handwerks durch die Novellierung nicht erfüllt wurden.

 

Fast 15 Jahre später sind die Folgen der damals beschlossenen Deregulierung in der Branche ersichtlich.

Diese sind sowohl qualitativ als auch quantitativ zu spüren.

 

Qualitätseinbußen, sinkende Zahlen der Auszubildenden und weniger Fachkräfte sind Auswirkungen der Novellierung.

 

Viele Gründungen in den zulassungsfreien Handwerksberufen verschwinden schnell wieder vom Markt. Oft handelt es sich bei diesen Betriebsinhabern um sogenannte Solo- Selbstständige, die weder Angestellte haben, noch ausbilden.

 

Derzeit fehlen rund 200.000 bis 250.000 Fachkräfte und Helfer im Handwerk, die in den Betrieben dringend benötigt werden, um offene Stellen zu besetzen. Die Auftragsbücher sind voll und Aufträge müssen mittlerweile abgelehnt werden, weil nicht genügend Mitarbeiter in den Betrieben sind, um diese abzuarbeiten. In diesem Blogbeitrag haben wir davon berichtet: https://innung.wordpress.com/2018/07/17/der-fachkraeftemangel-im-handwerk-und-seine-auswirkungen/

 

Wochenlange Wartezeiten auf einen Handwerkerbesuch strapazieren die Geduld der Kunden und führen zu Unzufriedenheit, sowohl bei Kunden als auch in den Gewerken, denn beide Seiten sind an einer schnellen und qualitativ ansprechenden Leistungserfüllung interessiert.

 

Die Nachwuchsförderung in der Branche spielt eine wesentliche Rolle, um Fachkräfte zu entwickeln und den Fortbestand der Gewerke und Betriebe zu sichern.

 

Rund 365.000 Lehrlinge erhalten derzeit eine Ausbildung in einem Handwerksberuf.

 

Von der Änderungsschneiderin über den Flechtwerkgestalter bis hin zum Zweiradmechatroniker ; alle diese Handwerksberufe können in dem vielseitigsten Wirtschaftsbereich Deutschlands erlernt und später ausgeübt werden. Eine gute Zusammenfassung und Erklärung zu den Ausbildungsberufen im Handwerk bietet die folgende Übersicht: https://handwerk.de/gewerbe

 

95 Prozent aller Azubis im Handwerk werden von Betrieben der zulassungspflichtigen Gewerke ausgebildet. Diese bilden 41 von 95 Handwerksberufen ab und es handelt sich dabei um Meisterbetriebe, in denen die Jugendlichen eine Ausbildung erhalten.

 

Nur 5 Prozent der angehenden Handwerker erhalten in einem der Betriebe ohne Meisterpflicht ihre Ausbildung.

 

Seit dem ein Meistertitel in 53 Handwerksberufen nicht mehr Bedingung zur Selbstständigkeit ist, wird auch ein Rückgang der Meisterprüfungen verzeichnet.

 

Die Branche benötigt allerdings dringend weiterhin engagierte, kompetente und qualifizierte Meister, um die Ausbildung von Fachkräften zu gewährleisten und dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Meisterinnen und Meister sind geschulte Führungskräfte im Handwerk, die die Qualifikation erlangt haben, Jugendlichen Wissen weiterzugeben und Grundlagen für deren berufliche Weiterentwicklung zu vermitteln.

 

Die Weitergabe von Wissen und die Gewährleistung einer qualifizierten Ausbildung ist gefährdet, wenn in es in einzelnen Gewerken immer weniger Meister gibt. Die Zahl der Auszubildenden in den betroffenen Handwerksberufen ist rückläufig.

 

Wenn Azubis nicht mehr ausgebildet werden, fehlen zukünftig Fachkräfte und in Folge dessen können Dienstleistungen nicht mehr in der gewünschten und geforderten Qualität erbracht werden.

 

Der Meisterbrief gilt als Qualitätsmerkmal und Spitzenqualifikation im Handwerk.

 

Ein Ziel der Nachwuchsförderung sollte es daher auch sein, Auszubildende dahingehend zu motivieren, diese Qualifikation anzustreben und zu erreichen.

 

Derzeit werden allerdings nur knapp zwei Drittel der Kurs- und Prüfungskosten gefördert. Alle weiteren finanziellen Aufwendungen müssen die Anwärter selbst übernehmen.

 

Hier ist die Politik gefragt, die gesetzlichen Grundlagen für kostenfreie Meisterausbildungen und – prüfungen zu schaffen.

 

Im Hinblick auf die Zukunft der Branche gilt es, den aus der Abschaffung der Meisterpflicht resultierenden Fehlentwicklungen entgegenzuwirken und die getroffene Entscheidung auf den Prüfstand zu stellen.

 

Junge Menschen sollten ermutigt werden, einen der attraktiven Berufe im Handwerk zu erlernen und sich weitergehend zu qualifizieren.

 

Dazu müssen neben entsprechenden innovativen Ausbildungs-, Fortbildungs- und Karrieremöglichkeiten auch Konzepte zur finanziellen Unterstützung der angehenden Meisterinnen und Meister entwickelt werden.

 

Sehr gerne möchten wir mit Ihnen über dieses oder andere Themen Rund um das Handwerk diskutieren und laden Sie deshalb auf unsere Facebook Seite ein: https://www.facebook.com/Berliner.Innung/

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